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LDA25 - ein interessanter kleiner Bodenbewohner

 ( Erfahrungen | Steckbrief | Quellen / zum Weiterlesen )

Meine vier ersten LDA 25 kaufte ich im Januar 1996 als "Parotocinclus cf. cesarpintoi" und erfuhr erst aus dem Artikel von Erwin Schraml in "das Aquarium" 3/96, was ich da eigentlich erstanden hatte: Einen friedlichen Gruppenfisch mit dem vollständig unpassenden Handelsnamen "Pitbull Pleco", wissenschaftlich zunächst Hypostominae sp. genannt und inzwischen als Parotocinclus jumbo bestimmt.

Das Bild zeigt ein Weibchen mit der für auf hellem Bodengrund lebenden Tieren typischen kontrastarmen Zeichnung in Brauntönen mit, je nach Lichteinfall, großen Goldflecken.
LDA25 Weibchen

Die auch als "Gründlingswelse" und im englischsprachigen Raum als "pitbull suckercat" bezeichneten Tiere erwiesen sich in den folgenden Jahren als interessante und anspruchslose Pfleglinge. Sie suchten tagsüber unermüdlich den Bodengrund ab, nahmen jedes Steinchen einzeln ins Maul, legen es auf immer derselben Seite wieder ab und "frästen" dabei kleine Rinnen in den Boden. Außerdem liebten sie die Algen, die an den Scheiben wuchsen. Schäden an Pflanzen durch sie konnte ich nie beobachten.

Die putzigen kleinen Kerlchen lebten über 4 Jahren in meinem Quarantänebecken. Das ist ohnehin meistens von Jungfischen besetzt, die eine so fleißige Putzkolonne gut brauchen können. Deshalb sind im Hintergrund des Fotos auch die kleinen Tontöpfe zu erkennen, in denen die Pflanzen wachsen. So kann ich die Dekoration schnell umstellen oder herausnehmen, ohne die Wurzeln zu schädigen.

Nach über 4 Jahren entschloß ich mich, sie doch in das 450-L-Aquarium zu setzen, für das sie ursprünglich bestimmt waren. Entweder war es das Alter, oder ein Umzug in diesem Alter war einfach zu viel für sie - auf jeden Fall magerten sie ab und verstarben nach 6-8 Wochen im November/Dezember 2000. Das war um so trauriger, als es mir in den letzten Jahren nicht gelungen war, ihnen Artgenossen zur Gesellschaft und zur Zucht zu kaufen.

Ich hatte zwar öfters "Pitbulls" (so heißen sie leider in den einschlägigen Händlerlisten) bestellt, aber in den Tüten schwammen immer andere Tiere ("Parotocinclus spilosoma"). Das änderte sich im Februar 2001 schagartig - und plötzlich besaß ich 10 Stück. Diese 10 sahen leider erbärmlich aus, weil sie stark eingefallene Bäuche hatten. Einige ließen sich wieder aufpäppeln und wuchsen, aber vier Stück haben wohl Dauerschäden davongetragen. Sie han zwar ein grundetes Bäuchlein, sind aber um die Afterregion herum immer noch stark eingefallen und wachsen nicht mehr.

Erfahrungen

Hier ist deutlich zu sehen, wie sich die Geschlechter unterscheiden. Die geringere Größe des Männchens ist altersbedingt. Das Weibchen unten hat eine kürzere und rundere Schnauze.
Turnübungen
Die im Vergleich zum oben gezeigten Tier kontrastreichere, grobere Zeichnung in dunklen Grautönen mit einem Streifen auf der Seite ist typisch für auf dunklem Bodengrund lebende LDA25 (auch wenn diese hier auf einer braunen Cryptocoryne sitzen). Besonders während eines Sonnenbades, das sie sehr genießen, ist dieser Streifen zusammen mit der dunklen Kopfzeichnung sogar samtschwarz. Zusammen mit den altrosa schimmernden Strahlen der Brust- und Bauchflossen und den goldfarbigen Flecken auf dem Kopf ist dieses Erscheinungsbild viel spektakulärer, als ein Foto zeigen kann.

Auf dunklem Untergrund lebende LDA25 sind deutlich weniger schreckhaft als solche auf hellem Untergrund. Die auf dunklem Untergund haben sich etwa 4 Tage nach ihrer Ankunft einheitlich für eine Färbung entschieden, die auf hellem benötigten über zwei Wochen. Das spricht für eine Haltung auf dunklem Untergrund.

Meine erste Gruppe verursachte nie Schäden an Pflanzen. Die Neuen hinterließen in den ersten Tagen deutliche Spuren (längliche, tiefgehende Schäden bei Cryptocorynen-Blättern). So ausgezehrt, wie sie waren wundert mich das nicht. Nach 4 Wochen hörte das auf.

Fraßschäden von LDA25 an einer braunen Cryptocoryne
angefressenes Crypto-Blatt
Die Fütterung ist einfach: Die Welse suchen den Bodengrund sehr gründlich ab und halten sich bevorzugt da auf, wo sich die meisten Schwebstoffe ansammeln und wo der Boden ab und zu von Sonne beschienen wird. Daher denke ich, das sie möglichst frische Pflanzenkost und einen hohen tierischen Futter-Anteil benötigen. Auffallend ist die Bevorzugung von im Aquarium gewachsenem gegenüber industriell hergestelltem Futter. An an die Scheibe geklebten oder auf den Boden geworfenen Futtertabletten knabbern sie gar nicht, sondern nehmen nur auf den Boden gefallene Partikel auf. Auch Flockenfutter wird nur vom Boden und nur sehr zögerlich angenommen, sofort dagegen lebende Artemia-Nauplien und dekapsulierte Artemia. Artemia werden sogar von Blättern abgesucht, anderes Futter nicht.

Ich befürchte, daß meine erste Gruppe kümmerte, weil gleichzeitig Panzerwelse im Aquarium lebten. Panzerwelse suchen ebenfalls den Bodengrund ab, "graben" dabei aber tiefer und nehmen so alles Verwertbare auf. Diese Erklärung scheint mir naheliegender als die weiter oben beschriebenen Möglichkeiten. Grund für diese Vermutung: Die LDA25 im 450-l-Aquarium hielten sich bevorzugt auf Blättern und Moorkienholz auf, die neue Gruppe in panzerwelsfreien Aquarien fast nur auf dem Boden. Auf dem Boden war kein Futter mehr zu finden, auf Blättern und Holz gab's noch Algen.

 

Steckbrief

Ein LDA25 mit fortgeschrittener "Fleckenkrankheit"

Quellen

Ein Wels sieht Dich an

[1] MERGUS Aquarien-Atlas Band 5
[2] Loricariidae: all L-Numbers (AQUALOG)
[3] englischsprachiger Text Planet Catfish - sehr ausführlich mit zahlreichen Bildern
[4] englischsprachiger Text Notes on LDA25 by Shane Linder. Hier ist u.a. beschrieben, wie der Fisch zum Handelsnamen 'Pit Bull' kam.
[5] Harnischwelse aus Recife, Erwin Schraml: Das Aquarium, Nr 321, 3/96.
[6] englischsprachiger Text PAROTOCINCLUS SPECIES FROM BRAZIL, By Marco Túlio C. Lacerda and Hans-Georg Evers auf der Seite des VDA Arbeitskreis Barber-Salmler-Schmerlen-Welse
[7] "Die Tiere werden zur Trockenzeit in riesigen Mengen in warmen, stehenden Gewässern vor Recife gefangen, die stark von Abwässern belastet sind. Deshalb tritt vermutlich die Krankheit [Anmerkung: Rote Flecken] nur zur Trockenzeit auf. Während der Regenzeit sind die Gewässer schnell fließender und dann laichen sie wahrscheinlich ab. Kühle Gewässer, wie gemutmaßt, gibt es im Raum Recife nicht." (Ingo Seidel)
[8] LDA 25 Parotocinclus jumbo bei Welse.net - schöner, ausführlicher Bericht von Klaus Dreymann.
[9] Kleine Harnischwelse aus Nordost-Brasilien auf den Seiten der DATZ mit eher allgemeinen Informationen zu mehreren Arten.
[10] Ingo Seidel: "Es gibt keine Pitbulls mehr" - aqua-global Newsletter 10/12 im PDF-Format (Inhalt: Parotocinclus jumbo stehen nicht mehr auf der brasilianischen Positivliste und werden deshalb nicht mehr exportiert).

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