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Informationen zu Lilioceris lilii - Lilienhähnchen

( Der Käfer | Die Fortpflanzung | Lilienschutz | Quellen )

Von Lilienhähnchen und den großen Schäden, die sie anrichten hatte ich schon viel gehört, bevor ich die ersten Käfer sah. Und war sofort von den schönen Fotos begeistert, die sich ohne Mühe machen lassen ... .
Mich interessiert die Biologie jedes Lebewesens, das ich im Garten finde. Ich habe Spaß an seiner Dokumentation - unabhängig davon, was es tut.

 

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Der Käfer

Lilienhähnchen Der 6-8 mm große Käfer aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) mit den lackroten Flügeldecken ist in Europa, Asien und Nordafrika heimisch, nach Nordamerika wurde er in jüngster Zeit eingeschleppt. Im deutschsprachigen Raum heißt er "Lilienhähnchen" wegen eines zirpenden Geräusches, das er bei Bedrohung macht. Englische Namen sind Scarlet Lily Beetle oder Lily Leaf Beetle. Ein enger Verwandter ist das Maiglöckchenhähnchen (Lilioceris merdigera), das im Unterschied zu L. lilii einen roten Kopf hat.

Schadensbild

Als Nahrung, zur Eiablage und Entwicklung benötigt das Lilienhähnchen unbedingt Liliengewächse (Lilium sp.) und bevorzugt dabei Arten wie Madonnenlilien (L. candidum), Königslilien (L. regale), Türkenbund (L. martagon), Feuerlilien (L. bulbiferum) sowie oientalische und asiatische Hybriden; selbst auf Knoblauch (Allium sativum) und im Schnittlauch (A. schoenoprasum) sollen alle Fortpflanzungsstadien gefunden worden sein. Nahrungspflanzen in geringerem Umfang sind außerdem außerdem Schachbrettblume (Fritillaria meleagris); und Kaiserkrone (F. imperialis), Salomonsssiegel (Polygonatum sp.) und sogar manche Nachtschattengewächse (Solanum sp. - u.a. Kartoffel). Bevorzugt werden Pflanzen, die geschützt, feucht und im Halbschatten stehen. Sonnige, freie Standorte verhindern den Befall nicht. Bereits Mitte Februar 2004 sah ich die Käfer an meinen Lilienstandorten aus der Erde krabbeln. Zu diesem Zeitpunkt gab's noch keine Lilien überirdisch, Fraßschäden fand ich vorwiegend an diversen Tulpen und die Käfer an allen Pflanzen quer durch den Garten.

 

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Fortpflanzungszyklus

Liliocerus ertappt Eischnur

Etwa ab Ende April/Anfang Mai je nach Wetterlage mit dem Austrieb der meisten Lilienarten beginnt die Eiablage. Pärchen "in flagranti" zu ertappen ist kein Problem, so eifrig sind sie mit der Erhaltung ihrer Art beschäftigt. Das abgebildete Pärchen fühlte sich durch meine Anwesenheit sichtlich gestört und wanderte schließlich, ohne die Position zu verändern, auf die Unterseite des Blattes.

Die auf der Blattunterseite abgelegten Eischnüre sind orangefarben bis dunkelbraun, das scheint von der Unterlage abzuhängen. So eine Eischnur besteht in meinem Garten aus maximal 15 zylinderförmigen, 1 mm langen Eiern mit abgerundeten Enden. Gelege bis 150 Stück sollen möglich sein. Ein Weibchen legt im Laufe eines Sommers bis zu 300 Eier, überwinternde Tiere in einem Käferleben bis zu 500 Stück. Pro Sommer entstehen 2-3 Generationen, manchmal vier.

Die Larven schlüpfen nach 7-10 Tagen und fressen sich auf der geschützten Unterseite der Blätter in ihrer Kot-Tarnung dick und rund, bis sie nach zwei bis drei Wochen zur Verpuppung in den Boden wandern und dabei wohl auch die Zwiebel befallen können. Noch einmal zwei bis drei Wochen dauert es, bis der fertige Käfer schlüpft. Überwinterungswillige Exemplare verkriechen sich im Herbst im Boden oder Laub und erscheinen wieder etwa ab April.

Auf dem linken Bild sind gerade ausgeschlüpfte Gelege (leere Eihüllen und junge Larven) zu sehen, sowie die Spuren, die sie hinterlassen: Wie verbrannt wirkende Flecken in den Blättern. Späestens jetzt sind Blätter, unter denen sich Gelege verbergen eindeutig erkennbar, sie sollten entfernt werden. - Das kleine Bild rechts zeigt eine ältere Larve, Originalgröße etwa 4 mm. Sie hat sich während der Vorbereitungen zu diesen Fotos von ihrem Tarnanzug aus Kot befreit, der normalerweise den ganzen Körper exclusive dem schwarzen Kopf bedeckt. So konnte ich sehen, daß sie 3 Paar dünne, schwarze Beinchen ganz dicht hinter dem Kopf hat. Ungewöhnlich ist die Körperform mit dem wie gestaucht wirkenden Körperende.

 

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Lilienschutz

Kaum kommen die Lilien aus der Erde, haben sich die Käfer schon häuslich eingerichtet (17. März 2004)
Kaum kommen die Lilien aus der Erde, haben sich die Käfer schon häuslich eingerichtet (17. März 2004)
Lilien sind wünderschöne Gartenpflanzen, aber die meisten sind ökologisch bedeutungslos. Schon deshalb sind chemische Maßnahmen gegen Lilienhähnchen inakzeptabel. Wer sie nicht mechanisch in Grenzen halten kann, sollte auf Lilien verzichten.

Das Vollinsekt (Imago) benötigt vergleichsweise wenig Nahrung, daher toleriere ich die Käfer. Die Larven, die sich mit einer dicken Schicht ihres eigenen Kotes tarnen, verursachen schon in geringer Stückzahl und kurzer Zeit Kahlfraß. Ich kontrolliere meine Pflanzen regelmäßig und entferne die Gelege, mehrtägige Pausen rächen sich sofort. Außerdem soll das Einstauben mit Spruzit oder Gesteinsmehl helfen, ersteres habe ich noch nicht probiert. Zur zweiten Möglichkeit schreibe ich am Ende etwas.

Ein weiterer ungetesteter Tip ist das Einsprühen mit einem Extrakt aus Rainfarn- oder Wermut-Tee, sowie bei starkem Befall eine Lösung aus Schmierseife und Spiritus. (Quelle ist Marie-Luise Kreuter - Pflanzenschutz im Biogarten.)

Manchmal scheint ein Ablenkungsmanöver zu helfen: Fritillarien pflanzen. Sie sollen Lilienhähnchen besonders anziehen und vertrocknen, bevor die Larven alt genug zur Verpuppung sind. Versucht loht, denke ich. Bei mir klappt das leider nicht, schon weil Fritillarien in meiner Sandbüchse nicht gedeihen.

Die Lilien mit 1% Neemöl zu begießen und Neemschrot in die Erde einzuarbeiten soll hervorragend funktionieren - wobei es in der letzten Zeit an der Unbedenklichkeit von Neem Zweifel gibt. Außerdem wird oft schlecht gelagertes Neem verkauft. Es wird innerhalb kürzester Zeit wirkungslos, wenn es Feuchtigkeit/Wasser und Licht ausgesetzt wird - beides ist zur Anwendung aber erforderlich. Dieses Paradoxon kann ich nicht auflösen, und deshalb werde ich das Mittel bestimmt nicht einsetzen. (Die Tips stammen aus einem Gartenforum. Da gleichzeitig mit der Sachdiskussion eine frucht- und sinnlose Grundsatzdiskussion über das Töten von Tieren stattfand, verlinke ich ihn hier nicht als Quelle.)

Das Einstauben vor allem der Unterseite der Blätter mit Gesteinsmehl (Urgesteinsmehl, feingemahlener Basalt) hilft tatsächlich. Die Käfer werden nicht vertrieben, aber deutlich reduziert (ca. 90%). Das Gesteinsmehl sollte ein Markenprodukt sein, weil diese besonders fein gemahlen sind. Zum Aufbringen gibt es verschiedene Techniken. Früher habe ich es einfach aus der hohlen Hand geblasen, mit steigender Anzahl der Lilien im Garten bin ich auf eine doppelte Lage Probierstrümpfe aus dem Schuhgeschäft umgestiegen. Ich fülle sie mit dem Pulver und zerstäube es klopfend, es muß besonders auf der Blattunterseite haften. Diese Behandlung muß nach jedem Regen wiederholt werden. Dabei empfiehlt es sich, auf irritierte Anmerkungen der Nachbarn vorbereitet zu sein ;-).

Abschreckende Maßnahmen gegen Lilienhähnchen gibt es wohl nicht, denn sie fliegen immer wieder zu. So bleibt nur, bei akutem Befall abzusammeln, damit die nächsten Generationen weniger zahlreich aus der Erde krabbeln.

 

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Quellen und mehr (Externe Links, siehe Haftungsausschluß)

[1] Insektenbox
[2] Englischsprachige Quelle Lily Leaf Beetle Bulletin bei Google Groups
[3] Thread: Sind das Lilienhähncheneier? in forum.planten.de
[4] Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten: Gefräßiger Feinschmecker - Lilienhähnchen (leider nicht mehr online)
[5] Kleingartenkolonie Grüne Aue e.V. in Berlin
[6] Geflügelte Retter gegen den Lilien-Fraß (Artikel in den Klieler Nachrichten vom September 2000)

 

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(07/2005) ·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
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