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Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) - ein Käfer-Goliath zu Fuß in unserem Garten

Am 22.Juni 2002 krabelte mir gegen Mittag auf einem gepflansterten Gartenweg ein fast 4 cm großer, braunglänzender Käfer entgegen, leider verletzt. So einen großen Käfer hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Das Tier stellte sich als Weibchen eines Nashornkäfers heraus.


 
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Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) Die geschützten Nashornkäfer gehören zu der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) und sind mit Maikäfern (Melolontha sp.), verschiedenen Mistkäfern und Rosenkäfern (Cetonia aurata) verwandt. Allen gemeinsam sind je nach Art und Geschlecht am oberen Ende verbreiterte Antennen (daher der Name "Blatthornkäfer"), ein starker Geschlechtsdimorphismus (Nashornkäfer-Männchen haben ein 10 mm langes Horn auf dem Kopf), kräftiger Körperbau; und einige Arten haben zum Graben ausgebildete Vorderbeine.

Nashornkäfer stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und gelangten möglicherweise mit zum Gerben bestimmter Eichenrinde im Mittelalter nach Norden, sie kommen heute ebenfalls in Nordafrika und Teilen Asiens vor und bevorzugen lichte Laub- bzw. Eichenwälder.

Vom Ei bis zum fertigen Käfer dauert es zwischen einem und 5 Jahren - in Komposthaufen geschieht das wegen der Wärme sehr schnell, in einem lichten Laubwald dauert es länger. Das Weibchen legt etwa 5 mm große Eier einzeln in Höhlingen im Totholz, Laubhaufen, Komposthaufen oder Sägewerksabfälle. Daraus entwickeln sich Larven (Engerlinge), die bis zu 12 cm groß sind. Ihr Darm enthält einen reiche Bakterienflora, die das Verdauen von Zellulose erlaubt. Lebende Pflanzenteile fressen sie nicht. Der Puppenkokon ist hühnereigroß und aus Totholz, Sägespäne, Sekret etc. gebaut.

Die Imagines leben nur wenige Wochen, meistens im Frühsommer und Sommer und sind in der Dämmerung aktiv. Sie benötigen nur geringe Mengen Nahrung, vermutlich leben sie von Eichensaft.
 

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Nashornkäfer (Oryctes nasicornis)"Mein" Käfer kam aus der ruhigsten und feuchtesten Stelle unseres Gartens gekrabbelt, die mit Buchenlaub mit einigen Eichenblättern darin und morschen Holzstücken gemulcht ist. Dort steht auch unsere Kompoststonne. Auf dem Körper krabbelten zwei etwa 1 mm kleine, bräunlich-orangefarbene Tiere herum, die ich für Käfermilben (Parasitus coleoptratorum) halte. Diese benutzen bestimmte Käferarten (Mistkäfer und Verwandte) als Transportmittel von einer Nahrungsquelle (Fliegenmaden, Würmer) zur nächsten.

Dem Tier fehlten ein Teil des rechten Hinterbeines, außerdem war der linke Flügel geknickt und schaute unter der Flügeldecke hervor. Es bewegte sich unsicher und versuchte, Bodenunebenheiten zu vermeiden. Ungewöhnlich ist die Tageszeit des Fundes: Später Vormittag statt früher Morgen oder später Abend. Das Tier bevorzugte eindeutig den von der Sonne aufgewärmten, gepflasterten Gartenweg. Während ich die Akkus meiner Kamera wechselte, war es plötzlich verschwunden. Da Nashornkäfer zäh und robust sind, ist das wahrscheinlich ein gutes Zeichen.

 

Spekulationen zur Verletzung: Vieleicht wurde die Nashornkäfer-Dame von der Kompoststonne und dem Laub und Holz in diesem Gartenteil zur Eiablage angezogen und hat sich beim Versuch verletzt, durch die Lüftungsschlitze des Komposters zu krabbeln.

Das Tier tauchte am 5. Juli wieder auf, diesmal vor dem Haus auf einem Fußweg am späten Abend. Vom verletzten Flügel war nichts mehr zu sehen, aber es war immer noch hinkend zu Fuß unterwegs. Das verletzte Bein war schwarz bis zum Ansatz unter dem Bauch und bewegte sich nicht mehr.

Zwischen diesen beiden Beobachtungen sah und hörte meinen Mann einen "Brummer" in Richtung der Komposttonne fliegen, der durchaus ein Nashornkäfer gewesen sein könnte. Vielleicht bekommen wir diese großen Käfer nun häufiger zu sehen?

 

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Quellen und mehr

[1] Die Welt der kleinen Krabbeltiere: Nashornkäfer

 

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(07/2002) ·Logo, klein  Renate Husmann 1997-2007
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